Bubishi
Herkunft
Das Bubishi ist ein altes Schriftstück unbekannter Herkunft. Das Werk gilt als der Ursprung der Kampf-kunstphilosophie und als eine der wichtigsten Quellen des Karates in Okinawa. Eine Theorie besagt, dass das Werk im 14. Jahrhundert mit einer jener 36 Familien, die damals aus China ausgewandert waren, auf die Insel gelangte und in einem Tempel im chinesischen Quartier in Naha aufbewahrt worden sei.
Eine andere Theorie geht davon aus, dass das Schriftstück erst im 19. Jahrhundert nach Okinawa gelangt sein soll. Entscheidend ist, dass bedeutende Karatemeister wie Funakoshi und Miyagi im Besitz von Kopien des Werkes gewesen sein müssen und dass sie daraus wichtige Informationen für die Entwicklung ihres Stils erhielten.
Stil des «Weissen Kranich»
Das Bubishi ist in einer alten Form des Chinesischen abgefasst und mit japanischen Kommentaren versehen worden. Das Werk umfasst 32 Kapitel, in denen alle wichtigen Angaben zum südchinesischen Stil des «Weissen Kranichs» (jap.: Hakutsuru-Ken) aufgezeichnet sind. Die Legenden von der Entstehung des Stiles, Angaben zur korrekten Lebensführung, Anatomiegrafiken mit Angaben von besonders empfindlichen Körperstellen (jap.: Tsu-bo) und Heilmethoden der chinesischen Kräutermedizin bilden zusammen eine Art von geheimgehaltenem Handbuch für den Trainierenden. Besonders interessant ist der Bildteil mit 48 Zeichnungen von Techniken gegen einen Angreifer.
Im Stil des «Weissen Kranichs» spielen Techniken, die mit der offenen Hand ausgeführt werden, eine zentrale Rolle. Sie haben einen starken Einfluss auf die Entwicklungen der Handtechniken und Katas des Goju-Ryu ausgeübt. Man nimmt an, dass Miyagi die Kata Tensho unter direktem Einfluss der Handtechniken, wie sie im Bubishi aufgezeichnet sind, entwickelt hat.